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BeitragVerfasst: 18.12.2012, 15:17 
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Registriert: 31.01.2010, 21:41
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Hallo,

man kann es ja nicht lassen, wenn man sich der Ouadrophonie verschrieben hat, auch einmal wieder zuzugreifen.
Dieses Mal kam ein unberührter CSQ aus der häuslichen Kellerbar bei mir an und das gute daran war, dass hier keiner der Schieberegler abgebrochen war.
Nach Inbetriebnahme und Messung der Stromaufnahme zeigten sich keine Ungereimtheiten. Auch die Versorgungsspannungen auf der Netzteilplatine waren in Ordnung.
Leider gab er aber keinen Mucks von sich. Ich bemerkte nur ein Brummen bzw. Knarren, wenn ich das Gerät etwas stärker auf den Schreibtisch aufsetzte. Es stellte sich heraus, dass die Übergangswiderstände in den Schiebepoti`s zu hoch waren.
Es folgte die chemische Dusche zunächst mit Kontakt 60 und einer Standdauer über Nacht. Anschließend folgte die zweite Dusche mit Kontakt WL, um die Reste von der ersten Dusche zu entfernen. Zuletzt wurde noch einmal mit WD 40 konserviert und die Regler funktionieren wieder einwandfrei.
Jeder hat da seine eigene Reinigungsmethode!
Bewegung ist alles, Stillstand führt zu den bekannten Mängeln.

Als nächstes wurden sämtliche Eingänge überprüft. Phono wollte auf einem Kanal nicht, was wie häufig an den beiden Poti`s lag, die vollkommen korrodiert waren. Nach dem Auswechseln war auch hier wieder alles in Ordnung. Glücklicherweise sind das die einzigen Regler im Innenbereich dieses Gerätes. Beide in Mittelstellung gebracht, ergaben gute Ergebnisse. Es geht auch besser über eine genaue Pegeleinstellung, ist aber nicht erforderlich.

Die einfache Überprüfung sämtlicher Eingänge kann man gefahrlos mit einem Kupferdraht vornehmen. Diesen einfach in die Hand nehmen und in die jeweiligen Öffnungen der DIN-Eingangsbuchsen stecken. Ein möglichst gleich lauter Bummton signalisiert die Funktion.
Vorsicht, dass die Lautstärke- und Pegelregler nicht auf Maximum stehen, sonst könnten die Lautsprecher überlastet werden und Schaden nehmen. Ausreichend ist, alle Schieberegler im unteren Drittel in Stellung zu bringen.
Anschließend werden die Lautsprecher angeschlossen, die LV-Taste, die entsprechende Eingangstaste (z.B. Res 1, Phono usw.) gedrückt, und die Drahtmethode angewendet.
In meinem Fall funktionierten alle Eingänge einwandfrei.
Dass man diese Prüfung eleganter über einen Frequenzgenerator und einer eingestellten Frequenz im Hörbereich vornehmen kann, ist mir nicht unbekannt. Mir geht es aber in erster Linie darum, mit einfachen Mitteln zum Erfolg zu kommen.
Nach dieser Überprüfung, wurde das Gerät in die Anlage eingebaut und sämtliche Eingänge erneut mit Musik aus den vorhandenen Quellen überprüft. Auch diese Prüfung war erfolgreich. Alles funktioniert einwandfrei.

Nun wollte ich mich aber immer noch nicht mit dem Ergebnis zufrieden geben. Die in diversen Foren in Misskredit geratenen Kondensatoren, besonders auch die Elko`s, wollte ich einmal genauer untersuchen.

Also wurde eine größere Bestellung aufgegeben und ordentlich ausgetauscht. Dabei habe ich mich aber auf die für mich wichtigen Komponenten beschränkt. Außen vor blieben die Mikrofon- und Kopfhörerverstärker sowie der Decoder, weil diese Komponenten bei mir selten gebraucht werden.

Ein Bild der ausgetauschten Kondensatoren

Bild

Bei der Tauschaktion wurden sowohl die ausgebauten als auch die neu eingebauten Kondensatoren mit den entsprechenden Messgeräten überprüft.

Von besonderer Bedeutung bei dieser Aktion möchte ich das kleinste, das ESR 60 (Mitte des Bildes) herausstellen, da dieses neben dem ESR (Equivalent Series Resistance = Serienersatzwiderstand) auch die Kapazität im Bereich 1 Mikrofarad bis 22 000 Mikrofarad anzeigt. Der ESR ist der ohmsche Anteil im Kondensator, vorstellbar als Reihenschaltung mit dem Kondensator. Grundsätzlich kann mit zunehmendem Alter von einer Erhöhung des ESR ausgegangen werden, was zur Folge haben könnte, dass er durch eine höhere Stromableitung Schaden genommen haben könnte. Ich drücke dieses besonders vorsichtig aus, da für diesen Anwendungsbereich von einer sehr niedrigen Impulsbelastung ausgegangen werden kann, und die Kondensatoren nicht so stark „altern“.

Bei den Vergleichsmessungen stellte sich heraus, dass der ESR bei den orangefarbenen C`s sogar niedriger war, als bei den neu eingebauten mittlerer Qualität. Alle ausgebauten C`s sind voll funktionsfähig.
Die Messergebnisse sind gut miteinander vergleichbar, weil der ESR über eine konstante Messfrequenz von 100 kHz ermittelt wird. Daher können die Elko`s auch im eingebauten Zustand schnell gemessen werden.

Alles was unter ein Mikrofarad liegt, kann mit einem einfachen Digitalmessgerät ermittelt werden. Das von mir verwendete Gerät erfasst die Bereiche (bis)200 Pikofarad hin zu 2 000 Mikrofarad, was für unsere Zwecke mehr als ausreichend ist.

Bei dem linken Gerät handelt es sich um ein einfaches Vielfachmessgerät.

Ein Bild der verwendeten Messeisen.


Bild

Das Endergebnis dieser vergleichenden Revision ist für mich eindeutig. Es hat sich gezeigt, dass auch bei genauestem Hinhören keinerlei Unterschiede zwischen Geräten mit intakten alten Kondensatoren und neu eingebauten feststellbar sind.
Dass es zu Ausfällen kommt, ist eher unwahrscheinlich. Und wer garantiert uns, dass die neu gekauften auch 40 Jahre und mehr überdauern werden?

Meine Erfahrung aus dieser Aktion, alle Elko`s mit dem ESR überprüfen. Wenn sie im Toleranzbereich liegen, wird nicht gewechselt.

Eines muss ich aber noch nachschieben.
Es geht um die hellgrünen kleinen MP-Kondensatoren.
Genau diese Bauart mit von oben sichtbaren Wickeln, die häufig zu wenig nach außen isoliert sind, neigen zur Feuchtigkeitsaufnahme und werden dadurch zu einem ohmschen Widerstand. Das führt im Extremfall zum Kurzschluss. Eine Serie dieser Bauart ist mir besonders auf den Verstärkerplatinen der LV 720 aufgefallen. Die Auswirkungen waren unkontrollierte Eigengeräusche, knistern und knacken im Bass- und Mittenbereich der Lautsprecher.
Von diesen Dingern trenne ich mich ohne Hinschauen schonungslos, da dieses "Zeitbomben" sind, ebenso auch von den dort verbauten Transistoren bestimmter Serien, worüber bereits häufiger berichtet wurde.

Alsdann viel Spaß beim Messen und Restaurieren.

Gruß Bebi (Bernd)


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BeitragVerfasst: 29.12.2012, 09:57 
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Moin Bernd,

ein spannender Bericht!

Ich behaupte garnicht das alles Alte schlecht sein muss aber die Zeit ist weiter gegangen und gerade im Audiobereich (und gerade in den Klangwegen einer Schaltung) hat sich bei den Kondensatoren einiges getan!
Heute habe ich vom Stephan einen guten Link bekommen:
http://tech.juaneda.com/en/articles/ele ... itors.html
Der Test zeigt einige Vorzüge von moderneren Kondensatoren.

Wer viel misst, misst Mist... will sagen: ohne den Elko auszulöten wird es zum Teil schwierig Ihn einzuschätzen! Viele Leute müssen messen um zu beweisen das das subjektive Empfinden einem bestätigt das es sich lohnt teurere Bauteile zu verwenden, der Bericht bestätigt das.

Guten Rutsch ins neue Jahr!

Gruß... Uli


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BeitragVerfasst: 29.12.2012, 13:03 
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Beiträge: 110
Hallo Uli,

eine wirklich gute und interssante Testvorstellung.

Man muss sich als Bastler schon damit auseinandersetzen, wenn man ein Gerät wieder optimal oder vielleicht qualitätsmäßig noch besser hinbekommen will.
Bei der Optimierung sollten sämtliche Komponenten im Übertragungsweg, besonders auch die Netzteile berücksichtigt und mit entsprechend hochwertigen Elkos ausgestattet werden.

Ich habe mir daher für das kommende Jahr einmal vorgenommen einen CSQ 1020 detailliert aufzuarbeiten, um einmal herauszubekommen, ob sich das auch für ein nicht so highendmäßig konzipiertes Gerät der Regiereihe rechnet und vor allem hörmäßig auch bemerkbar machen wird.
Gleichzeitig sollen dann auch die LV-Verstärker überarbeitet werden, damit der Übertragungsweg hier ebenfalls optimiert ist.

Ein wirklicher Highender wird wohl aus mir nicht mehr werden, da ich als etwas technisch Vorbelasteter mit der erforderlichen Skepsis an diese Dinge herangehe, und meine "Hochkonjunktur" doch einiges an Jahren zurückliegt. Was nicht heißen soll, dass ich nicht mehr lernfähig bin.

In diesem Sinne möchte ich dir und allen Braunianern einen gute Start in das Neue Jahr und vor allem viel Erfolg beim Aufarbeiten und Erhalten der Geräte wünschen.

Bebi (Bernd)


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BeitragVerfasst: 29.12.2012, 22:27 
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Moin Bernd,

In meinem CD4 Umbau (nein, nein nicht der Modulator :roll: ) habe ich so ziemlich alles nach dem DA Wandler an Kondensatoren im Klangweg verändert.
Auch die SV ist stark modifiziert, moderne Burr Brown OPVs, das Gehäuse wird gedämpft und der Boden entkoppelt.
Der Dreher bekommt auch einen neuen KH-Verstärker denn ich denke das man eine hörbare Veränderung nur darüber hören wird!
Wenn ich alles zum laufen bringe spendiere ich noch eine Masterclock, dann wird´s richtig spannend!

Auch Dir ein gesundes neues Jahr!

Gruß... Uli (Uli)


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