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 Betreff des Beitrags: Quadrophonie LPs
BeitragVerfasst: 17.08.2012, 09:06 
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Moin moin,

mich würde interessieren, ob es eine Aufstellung der hergestellten Quadrophonie LPs gibt, so viele sollten es ja nicht sein, oder irre ich mich da?

Ich bin momentan dabei mich in das Thema quadro einzulesen, wird wohl noch etwas dauern, bis ich das 100%ig verstanden habe... :)

Wie verhält es sich denn, wenn man Stereo-Tonträger über eine Quadroanlage wiedergibt? Ist das dann Stereo über vier Lautsprecher oder wird die Aufnahme in Pseudoquadro umgewandelt?

Gruß

Timo


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BeitragVerfasst: 17.08.2012, 11:37 
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Hallo Timo,

wenn du nur eine Stereoquelle wiedergibst, hängt es von den Einstellungen z.B. am CSQ 1020 ab, wie das Stereosignal verarbeitet wird:

1) nur Quadro gedrückt = Stereowiedergabe über die vorderen Lautsprecher
2) Stereo gedrückt = Stereowiedergabe über 4 Lautsprecher mit linkes Signal auf vorne + hinten links und rechtes ...
3) Mono gedrückt: alle 4 Lautsprecher geben das gleiche Signal wieder
4) Quadro und SQ gedrückt: das Stereosignal wird in eine Art Quadrosignal umgewandelt
5) wie 4) nur externer angeschlossener Quadrodecoder (kein CD-4 Decoder, sondern z.B. QS) ergibt ähnliches wie unter 4)

Grüße,

Raimund


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BeitragVerfasst: 19.08.2012, 15:14 
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hallo,

so wenige Quadro-Produktionen gab es nicht - im Gegensatz zu Deutschland war Quadro in den USA und in Japan durchaus für eine gewisse Zeit beim Volk angekommen, und beim Nachfolgesystem, dem ersten analogen Dolby Surround, wurden noch viele Quadro-Aufnahmen weiter verwurstet - denn eigentlich ist Dolby Surround nichts anderes als Vierkanal Quadro mit einem zusätzlichen Center-Lautsprecher, der die Aufgabe hatte, die Abhängigkeit von der exakten Hörposition abzumildern, die eine Ursache für das Scheitern von Quadro war.

Bei den "echten" Quadroverfahren haben es drei Stück geschafft, sich über den Exotenstatus hinaus für ein paar Jahre durchzusetzen: 4-Kanal diskret, SQ und CD-4 .

Vierkanal diskret funktionierte nur mit Magnetbandgeräten. Benutzt wurden Spulenbänder und Compact-Cassetten, die nur in eine Richtung bespielt wurden, sowie eine Neuentwicklung, die eigentlich speziell für Quadro gedacht war - die 8-Track Cassette. Daneben gab es noch Versuche, auch Compact Cassetten achtspurig zu bespielen. Vordere und hintere Kanäle sollten hier jeweils nebeneinander liegen, und jeweils ein vorderer und ein hinterer Kanal zusammen sollten die Breite und die Lage eines Stereo-Kanals haben. Auf diese Weise sollten die Cassetten stereokompatibel sein - die Entwicklung scheiterte wohl an den zu schlechten technischen Daten, die dieses System zu bringen in der Lage war. Aus den USA und aus Japan gibt es eine große Zahl an fertig bespielten Quadro-Tonbändern, - cassetten und -8-Tracks. Das Quadro-Zurüstkit zum TG1000, dass ja nur zum Abspielen taugte, wurde sicher nur deshalb angeboten, dass man diese Fertigbänder abspielen konnte. Interessant ist das Dual Tapedeck C901 - dem Chassis ist deutlich anzusehen, dass es für ein Quadro-Gerät vorbereitet war, es sind z.B. Aussparungen für vier VU-Meter und zusätzliche Schieberegler vorhanden.

Die Nachteile an Vierkanal diskret waren, dass es a) sehr aufwendig war, und b) weder rundfunk- noch schallplattenkompatibel.

CD4 war eine Entwicklung von JVC, um vier Kanäle in hoher Qualität in zwei Schallplattenrillen zu bekommen. Ganz grob funktionierte CD4 ähnlich wie der Stereo-Rundfunk. Auf das vordere Signal wurde ein Hilfsträger mit einer Frequenz von ca. 40kHz aufmoduliert, der das hintere Signal trug. Beim Demodulieren ( bei Braun hieß der Demodulator CD4, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen CD-Player ) wurden die beiden Signale wieder voneinander getrennt. Das CD4-System funktionierte von allen Schallplattensystemen wohl am besten, und war neben SQ das einzige, was eine ernsthafte Verbreitung fand.

Die Nachteile waren - es war ebenfalls nicht rundfunk-kompatibel. Das Equipment musste in der Lage sein Frequenzen bis etwa 50 kHz aus der Schallplattenrille abtasten zu können - hierfür wurde eine spezielle Nadelform entwickelt, die bis heute bei High-End-HiFi eine gewisse Bedeutung hat - die Shibata-Nadel. Die Innenverkabelung des Plattenspielers musste wegen der hohen Frequenzen besonders niedrig kapazitiv ausgeführt sein. Die Qualität der Wiedergabe hing viel stärker vom Plattenverschleiß ab, als bei Stereo-Platten. Obwohl die Platten als voll stereokompatibel beworben wurden, reichte ein einziger Abspielvorgang z.B. mit einem M75 aus, um die Platte für CD-4-Wiedergabe unbrauchbar zu machen.

Um die hohen Frequenzen auf das Plattenmaster zu bekommen, erfand man das Halfspeed-Dubbing, was bis heute bei stereofonen High-End-Pressungen angewendet wird.

Das dritte System, das besonders in Europa wohl das einzige Schallplattensystem war, was es überhaupt bis in die Kaufhäuser geschafft hat, war das SQ-System, nicht zu verwechseln mit QS, letzteres ist eine der zahlreichen Exotenentwicklungen, die am Markt nicht angekommen sind. Wie genau SQ funktioniert, habe ich bis heute nicht richtig begriffen - daher sind diese Ausführungen nur als ganz grober Anhaltspunkt zu verstehen. In Herrn Redlichs HiFi-Museum gibt es irgendwo eine ganz ausführliche mathematische Abhandlung, für den, der es genau wissen will. Nur so viel: SQ ist ein System, bei dem in den Rillen der Schallplatte neben dem Signal für die beiden Frontkanäle ( links und rechts ) noch Differenzsignale gespeichert sind. Durch Matrix-Verfahren ist es möglich, aus den Front- und den Differenzsignalen die hinteren Signale zu errechnen, letzteres geschieht mit dem SQ-Decoder, der auch im CSQ 1020 eingebaut ist.

Das System ist im Gegensatz zu den anderen beschriebenen voll stereo- und rundfunkkompatibel. Es sind wohl in den siebzigern auch einige quadrofone UKW-Sendungen in Deutschland ausgestrahlt worden. Auch für die Schallplattenindustrie war SQ der am wenigsten riskante Schritt, weil ein und dieselbe Aufnahme nicht in mehreren Verfahren im Laden stehen mussten. Der große Nachteil von SQ war die sehr niedrige Kanaltrennung zwischen vorne und hinten, die mit einfachen Decodern nur wenige dB betrug. Normale Stereoaufnahmen pseudoquadrofon abgespielt klangen kaum schlechter. Trotzdem hat sich SQ von allen Quadrosystemen noch am längsten gehalten, weil es auch ohne große Neuinvestitionen in HiFi-Anlagen und Infrastruktur funktioniert hat.

Andere Systeme wie QS und UD4 haben ähnlich funktioniert, ohne kompatibel zu sein. Quadro scheiterte an zahlreichen Dingen, auch der Systemstreit der Hersteller war ein Grund.

Quadro von Schallplatten und alten Bändern ist heute weniger was für HiFi-Enthusiasten, sondern vielmehr was für Sammler. Eine Möglichkeit zum hochwertigen Quadro hören gibt es aber dennoch - Mehrkanal SACD's und ein gebraucht gekaufter DVD-Player mit analogen Surround-Ausgängen, der SACD's abspielen kann. So ein Gerät ist z.B. der Pioneer DV-575, bei Ebay heutzutage für Preise ab 35 Euro zu haben. Viele alte Aufnahmen, die in Schallplattenform unbezahlbar sind ( z.B. Dark Side Of The Moon von Pink Floyd ) gibt es als Quadro-SACD für relativ kleines Geld neu zu kaufen. Wenn man es unbedingt nostalgisch haben will, kann man die SACD-Aufnahmen auch auf Band überspielen, dann hat man Old School Quadro in hoher Qualität ;) .

Gruß Frank

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"Man will halt immer das, was die anderen haben, bis dann alle das haben, was die anderen haben und dann wollen alle wieder das, was dann keiner mehr hat"


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BeitragVerfasst: 20.08.2012, 06:11 
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Registriert: 10.08.2012, 12:44
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Hallo Frank!

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, din Text ist um Längen verständlicher aus der Wikipedia-Artikel!

Schade dass die Bänder und LPs so teuer sind, aber deine Lösung über die SACD ist dann ja eine wirklich gute Alternative! Aber um die Aufnahmen von der SACD auf Band zu überspielen braucht man doch eine Bandmachschine die quadro aufnehmen kann oder? Soetwas gibt es von braun ja nicht, und der TQE1000 zum abspielen wird wohl auch eine Rarität sein?

Aber beruhigt bin ich ja, wenn sich das SQ System kaum schlechter als pseudoquadro anhört, dann ist eine quadroanlage ja nicht nur ausschließlich ein Sammlerstück. Oder ist der Unterschied von pseudoquadro zu Stereo so gering, das auch SQ nicht besonders erstrebenswert war?

Viele Grüße

Timo


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