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 Betreff des Beitrags: Lautsprecher: LB 500
BeitragVerfasst: 25.02.2014, 20:52 
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Eroberer
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- Modell LB 500 - Lautsprecher-Bausatz ohne Gehäuse
- zum Bau eines 2-Wege-Studiolautsprechers – passiv, geschlossenes Prinzip
- Dauerbelastbarkeit 30/40 Watt an 4 Ohm
- Gehäuseform und Farbe freigestellt, nicht enthalten, muss angefertigt werden
- Baujahr ca. 1971-1975
- Verkaufspreis einzeln DM 190,- (unverb. Richtpreis)

In den Verkaufskatalogen von Braun von 1971 bis ca. 1975 erschien als Zubehör der LB 500 Lautsprecher-Bausatz mit „zwei Lautsprecher-Systemen mit allen Teilen, die zum Eigenbau einer leistungsstarken Lautsprechereinheit in HiFi-Qualität erforderlich sind. Durch ein selbstgefertigtes Gehäuse kann LB 500 in Form und Größe auf die Raumverhältnisse abgestimmt werden. (Empfohlenes Volumen 20-30 I). Je nach Gehäuse bester erzielbarer Übertragungsbereich 30 ... 25.000 Hz; 1 dynamischer Tieftonlautsprecher 21 cm - 1 dynamischer Hochtonlautsprecher mit Kalotten Membran 2,5 cm, eine gedruckte Schaltung mit zwei Frequenzweichen. Belastbarkeit 30 Watt; Impedanz 4 Ohm. Übergangsfrequenz 1800 Hz, 12 dB/Oktave.“ (http://www.hifimuseum.de/hifi-programm-feb-1971.html) Diese Art Zubehör gab es auch von anderen HiFi-Herstellern in der Zeit, z.B. von Grundig.

Die Systeme entsprachen in etwa denen der Zwei-Wege-Lautsprechereinheiten L 480 oder der L 500. Es wurden zwei Gehäusegrößen (HxBxT) empfohlen: 470x270x200 [flach] und 420x250x250 [kompakt]. Die 16-seitige „Anleitung für den Bau einer Lautsprechereinheit mit dem Bausatz LB 500“ enthielt Angaben zum selbstorganisierten Bau des Gehäuses, dem Einbau der Lautsprecherchassis sowie der Weiche, der Gestaltung der Frontseite, der Abdichtung, der Verdrahtung, der Hohlraumdämmung und zum Kabeldurchbruch (heute eher mit Terminus). Für die vorgeschlagenen Gehäusevarianten lagen je eine Schreiner-Schablone im „Maßstab 1:1“ bei, die sich in der Praxis allerdings als etwas verkleinert herausstellten und als Tieftöneröffnung 185 mm statt 202 mm nannten. Weitere Einsatzvorschläge waren die Wandaufhängung, die Aufstellung in Regalen oder der Einbau in Schrankwände.

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Es gab mehrere Varianten des LB 500, zunächst erkennbar durch die auf dem Karton aufgedruckte Nenn-Belastbarkeit 30 Watt oder 40 Watt. Entsprechend waren die Chassis (TT LC 20/4, HT LC 2/3), die Frequenzweiche mit abweichender Bestückung sowie Pinanzahl ausgerüstet. Beim Model „40 Watt“ war das Membrangehäuse oben schwarz lackiert und der Membrankarton etwas dunkler gefärbt.

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Der LB 500 war im Prinzip eine L 500 ohne Gehäuse. Geht man von einem Straßenpreis des LB 500 von DM 160,- und von dem einer L 500 von DM 360,- aus, zog Braun DM 200,- für ein Lautsprechergehäuse mit Frontblende und Dämmung ab. In der Größenordnung dürften sich wohl die damaligen Zusatzkosten für das Material zum Bau eines individuellen Gehäuses belaufen haben. Hier muss die Produktbeschreibung enden, wäre der Bausatz das fertige Produkt und hätte das System in meinem Versuchsaufbau nicht so mager geklungen, ohne „unendliche Schallwand“ oder geschlossenes Gehäuse für die Tieftöner. Zur Abrundung der Produktbeschreibung folgt daher noch die Darstellung eines Selbstversuchs: Bau einer Stereo-Lautsprechereinheit mit dem Bausatz LB 500 im Jahre 2014, ca. 40 Jahre nach der Produktion. Das ganze Unterfangen hat den retro-retro Charm, dass jederzeit ein Rückbau stattfinden kann und der Bausatz wieder zurück gewonnen werden kann.

Meine unverbastelten, nie in einer Box verwendeten, also „neuen“ Bausätze stammen laut Stempel auf den HT- und TT-Chassis von 1975, einer war Modell „30 Watt“, der andere Modell „40 Watt“. Ich wollte die kompakte Gehäuseversion mit ca. 20 l Hohlvolumen bauen, übernahm aber für das Gehäuse die Außenmaße vom Braun Atelier RM6 (410x250x276, ähnlich aber jünger und digitalfester als eine L 500). Damit umging ich das Problem mit der Furnierung von MDF-Platten, handelte mir aber zugleich Probleme mit den abgeschrägten Längskanten des Atelierdesigns ein. Als Baumaterial wurde laserscharf zugeschnittene, schwarz durchgefärbte MDF-Platte verwendet, Dicke 16 mm. Das „mitteldichte“ Holzfasermaterial erhält durch mehrere Schichten Hartöl und abschließend Antikwachs eine schöne mattschwarze Oberfläche, wie beim RM6. Dort ist die Oberfläche allerdings nur eine Folie. Ein Dichteband trennt Außen- und Innenschall der Chassis auf der Frontplatte luftdicht ab. Im Gehäuse dämmt Polyesterdämmwatte „SinusLive 50“ den Rückstoß. Die von Braun (vor 40 Jahren) empfohlenen 400g Mineralwolle „Sillan SF 29/39“ der Fa. Grünzweig & Hartmann sind nicht mehr lieferbar, obgleich es die Firma noch gibt. Die Front aus „Lautsprecherbespannstoff schwarz 1 M“ liegt auf einem dünnen Rahmen aus Kieferholzprofilen. Es ist mir nicht möglich ein Lochnetzgitter aus Metall zu fertigen. Die Stoffstruktur der von mir gewählten Bespannung zeichnet aber in etwas das Gittermuster der RM6 nach. In die verwendeten Rahmendübel passen problemlos die Dübelzapfen der Originalfrontgitter der RM6. Zum Abschluss formulierte ich noch einen individuellen "Typenaufkleber" für die Rückseiten dieser LB 500.

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Bauzeit mit langenPausen für die Ölhärtung drei Wochen. Kosten für MDF-Platten, Laserzuschnitt, Zubehör und Oberflächenbehandlung ca. 160 Euro je Box. Das entspricht grob dem oben genannten Preisunterschied des LB 500 zur L 500 von ca. 1975. Wie klingt die „optische Variante RM6“ des LB 500? Taunussound der 1970er Jahre na klar, knackiger aber etwas pumpender Bass mit Durchschlag oder wie in der zeitgenössischen Werbung für die L 500 beschrieben: "volles, aber transparentes Klangbild von angenehmer Natürlichkeit". Die Grenzen der Nenn-Belastbarkeit von 30/40 Watt werden schnell erreicht. Die Beschallung mittlerer Räume ist sicher gewährleistet. Vieles hängt auch von der Aufstellung ab, im Regal oder frei auf einem Ständer stehend. Quod libet, gratias ago Braun.

Gerhard

_________________
CEV520; R4/CC4, CD5, C4, RC1, SW2/LS40; 4x RM7, RM5; LB500 (aus Bausatz)


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BeitragVerfasst: 25.02.2014, 22:17 
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Donnerschlag Gerhard, TOLL!

Ich verschiebe den Beitrag mal unter "Umbauten-Eigenbauten" und setze Ihn auf wichtig.

Falls Du noch "Gitternupsies" zum abnehmen der Frontbespannung brauchen kannst lasse es mich wissen!

Gruß... Uli


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BeitragVerfasst: 26.02.2014, 13:37 
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Hallo Gerhard,

zunächst möchte ich Dich zu Deinem wirklich gelungenen Projekt beglückwünschen. Es ist toll, dass Du die beiden Lautsprecher-Kits (die einzigen damals angebotenen Selbstbausätze von Braun) gut 40 Jahre später nun zu einem "richtigen" Boxen-Leben erweckt hast. Auch die bebilderte Dokumentation ihres Entstehens hätte Dir kaum besser geraten können.

Du schreibst, dass das Klangbild zwar in etwa der Beschreibung der zeitgenössischen Werbung entspricht, nämlich ein "volles, aber transparentes Klangbild von angenehmer Natürlichkeit" produziert, die Basswiedergabe sich jedoch etwas "pumpend" anhört. Meinst Du das im Sinne von etwas "schwammig" oder "unpräzise"?

Braun dämmte und dämpfte seinerzeit seine Lautsprechergehäuse wie die meisten Hersteller mit Mineralwolle, welche zugegebenermaßen für diesen Zweck auch die akustisch besten Eigenschaften bei gleichzeitig günstigen Beschaffungs- und Einbaukosten mitbringt.

Sie besitzt ein relativ hohes spezifisches Gewicht, ist luftdurchlässig und ihre Fasern sind irregulär angeordnet wie auch von unterschiedlicher Länge. Das zusammen bedeutet hinsichtlich ihrer Dämpfungseigenschaften eine hohe Wirksamkeit über einen weiten Frequenzbereich.

Gerade zur Dämpfung tiefer Frequenzen ist eine möglichst hohe Rohdichte des Dämmaterials erforderlich, ebenfalls zur Gehäusedämmung bei mittleren Frequenzen. Letzteres wird hauptsächlich durch die Dämmatten bewirkt, die direkt an den großflächigen Gehäusewänden (Rück- und Seitenwände) angebracht sind. (An dieser Stelle wären allerdings schwere Bitumenmatten nochmal viel wirkungsvoller.)

Die Mineralwolle reduziert neben ihren guten, breitbandigen Dämmeigenschaften auch deutlich die Schallgeschwindigkeit im Gehäuseinneren und bewirkt damit die Vergrößerung des relativen (akustisch wirksamen) Gehäusevolumens, was die untere Grenzfrequenz noch etwas nach unten verschiebt.

Mit der Vergrößerung des Gehäusevolumens geht auch eine Verringerung der Gesamtgüte des Systems einher. Die geringere Güte dämpft die Ein- und Ausschwingvorgänge der Lautsprechermembran und bewirkt dadurch bessere Sprungantworten, was letztlich zu einer präziseren Basswiedergabe führt. Dieser Aspekt, zusammen mit einem relativ hohen spezifischen Gewicht des Dämmaterials, würde den von Dir beschriebenen "pumpenden" Bass gewiss wieder etwas "korrekter" erscheinen lassen.

Man kann aber auch des Guten zu viel machen. Eine Überbedämpfung führt ebenfalls zu einer schlechten Wiederabe. Ein stumpfes, gepresstes Klangbild, besonders im Grund- und Mitteltonbereich, ist dann die Folge. Das ausgewogene Maß zu finden, kann hier (ohne entsprechende Messeinrichtungen) nur über das Gehör erfolgen und bedeutet auch ein wenig "Feintuning". Ein bisschen Experimentierfreude und Geduld führen aber mit Sicherheit zum guten Erfolg.

Was allerdings (neben der unangenehmen Verarbeitung) die gesundheitlichen Risiken des Materials "Mineralwolle" angeht, weiß man es heute etwas besser als noch in den frühen 70ern. Glücklicherweise gibt es heute Alternativen hierzu, die sowohl vom Aufwand, von den Kosten und natürlich ebenso von ihrem Ergebnis her durchaus gleichwertig sind.

Vor einiger Zeit stand ich auch vor der Frage: Dämmen? Ja, sicherlich! Aber womit? Ich glaube, dass ich für meine L715, mit denen ich nach wie vor sehr zufrieden bin, eine gute Lösung gefunden habe. Falls Du sie noch nicht kennst, hier ist ein Link zum betreffenden Nachbarthread, s. Beitrag vom 02.06.2011.

Das war jetzt vielleicht ein wenig viel zu Dämmaterialien und ihre Auswirkungen geschrieben, aber mir selbst geht es meistens so, dass ich ermutigter an "uhh... gerade erst fertig geworden... schon wieder neue Arbeit..." gehe, wenn mir zuvor einigermaßen plausibel gemacht wurde, dass sich die Mühe vielleicht doch lohnen könnte.

Wenn Du dahingehend noch ein bisschen experimentieren möchtest (Schafwolle nicht vergessen), wünsche ich Dir dabei ein gutes Gelingen!

Viele Grüße

Heinrich


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